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In eigener Sache: Fördergrundsätze für den Dialog der Kulturen in NRW

26|03|07

Förderungsgrundsätze für die Gewährung von Maßnahmen der kulturellen Integration durch das Land Nordrhein-Westfalen 1. Bezeichnung des Förderprogramms Dialog der Kulturen (Künste und Kulturen im interkulturellen Dialog) 2. Förderungszweck und -grundsätze 2.1 Das Land kann nach Maßgabe dieser ...     mehr...

Kastenabschluss
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Inter:Kultur:Komm 2006: Ein Gespräch mit Ulla Harting, Staatskanzlei NRW, zu Ergebnissen und Perspektiven der Tagung


Wie kann man Migrantinnen und Migranten den Zugang zu klassischen Kultureinrichtungen, Kulturveranstaltungen und Förderprogrammen in ihren neuen Heimatstädten erleichtern? Das war nur eine der Fragen, die Fachleute aus der kommunalen Kultur-verwaltung, Künstlerinnen und Künstler sowie Experten für Integrationsfragen am 24. und 25. August 2006 in Essen diskutierten. Im ersten Teil der Tagung standen Ergebnisse des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) im Fokus, am zweiten Tag stellten sechs Städte, die in einem Pilotprojekt erfolgreiche Konzepte zum Thema Interkultur entwickelt haben, ihre Erfahrungen vor.

Die Redaktion von nrw-kulturen.de sprach mit Ulla Harting von der Kulturabteilung der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen über die Tagung und ihre Schwerpunkte. Ulla Harting betreut in ihrem Referat Kulturelle Integration sowohl das Pilotprojekt „Kommunales Handlungskonzept Interkultur“ als auch das „Datenforschungsprojekt Inter-kultur“ und initiierte die Tagung in Essen.

Frau Harting, welche Ergebnisse der Tagung sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Ein eindeutiger Erfolg der Tagung ist, dass die Thematik Interkultur kein Nischenthema mehr ist. An zwei Tagen diskutierten 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen – davon viele aus der kommunalen Kulturverwaltung – intensiv verschiedene Aspekte des Themas, wie zum Beispiel die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft unter Migrationsgesichtspunkten, die nordrhein-westfälische Datenlage dazu oder kommunale Handlungsansätze im Bereich der interkulturellen Kulturarbeit. Dabei wurde aber kein einziges Mal in Frage gestellt, dass das Thema Interkultur sehr wichtig für die kommunale Kulturverwaltung und für Integrationsfragen ist. Die Landesregierung in NRW hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kommunen dabei zu unterstützen, nachhaltige Netzwerke aufzubauen und Kunst und Kultur im interkulturellen Kontext zu fördern.


Wie möchten Sie das konkret erreichen? Das Pilotprojekt zur Entwicklung der kommunalen Handlungskonzepte ist mit der Tagung abgeschlossen. Wie wird an die Arbeit mit den Kommunen angeknüpft?

Auch wenn die Pilotphase abgeschlossen ist, werden wir die Städte weiterhin mit Beratungsangeboten unterstützen. Unser „jour fixe“ mit den beteiligten 6 Kommunen, in dem wir uns gegenseitig beim Aufbau wichtiger Grundstrukturen unterstützt haben, bleibt erhalten – und neue Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die sich dem Erfah-rungsaustausch anschließen möchten sind herzlich willkommen. Zudem wird das Referat für Kulturelle Integration noch in diesem Jahr einen Leitfaden für Kommunen entwickeln, in dem vor dem Hintergrund der gemachten Erfahrungen notwendige Schritte städtischer interkultureller Zusammenarbeit festgehalten werden: Wo kann man ansetzen und welchen Zweck hat Kunst und Kultur mit Blick auf die Interkulturalität unserer Gesellschaft? Wo liegen die Schwierigkeiten und Hemmnisse und wie kann man es trotzdem bis zu einem Ratsbeschluss schaffen – wie in Hagen und Dortmund bereits geschehen. Solche Erfahrungen, die sich im Pilotprojekt „Kommunales Handlungskonzept Interkultur“ gezeigt haben, sollen auf diese Weise für alle Kommunen zugänglich werden.

Wie soll es mit der Erhebung von Daten weitergehen? Welche Perspektiven sehen Sie hier?

Die Präsentationen des LDS haben deutlich gemacht, wie dünn die Datenlage zu den hier lebenden Migrantinnen und Migranten ist, die ja immerhin 23 Prozent der nordrhein-westfälischen Bevölkerung ausmachen und wie notwendig aussagefähige Statistiken in der Argumentation zum Beispiel für die Planungen im kommunalen Kul-turmanagement sind, um unsere neuen Nachbarn als neue Kulturklientel zu gewinnen. Hier wollen wir ansetzen und ab September mit Primärerhebungen in den Kommunen beginnen. In einer ausgewählten Stadt werden telefonische Interviews durchgeführt, um die Nutzung kultureller Einrichtungen und Medien, kulturelle Präferenzen und Bildung sowie kulturelle Netzwerkstrukturen von Migrantinnen und Migranten zu untersuchen. Zudem sind wir sehr gespannt auf die Ergebnisse der geplanten Sinus-Studie, die erstmalig in Deutschland die Lebenswelten von Migran-tinnen und Migranten analysieren wird (www.sinus-sociovision.de).

Was sehen Sie als wichtige Aufgaben für die Zukunft an, um die kulturelle Integration weiter zu fördern?

Die künstlerischen Darbietungen im Rahmen der Tagung haben bereits in einem kleinen Ausschnitt gezeigt, welches kreative Potenzial Menschen mit Migrationshin-tergrund mitbringen. Vom Kabarett über Musik und Theater bis hin zur künstlerisch ausdrucksstarken Modenschau haben wir in Essen hochwertige künstlerische Darbietungen gesehen. Das wird auch immer wieder deutlich in den zum Teil sehr erfolg-reichen Kunstprojekten, die aus dem Referat Kulturelle Integration heraus gefördert werden. Aber leider fehlt den Künstlerinnen und Künstlern mit Migrationsgeschichte immer noch eine Lobby und die Möglichkeiten zu einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit. Hierauf müssen wir nicht nur unter Integrationsgesichtspunkten, sondern auch unter Gesichtspunkten der Qualitätssteigerung im interkulturellen Manage-mentbereich verstärkt unsere Aufmerksamkeit richten. In Großbritannien ist die Entwicklung, z.B. im Theater- und Literaturbereich, schon wesentlich weiter. Literaturpreise werden fast ausschließlich von Migranten gewonnen und der Theaterbereich ist vom Management, über die Produktionen, bis hin zu den Schauspielerinnen und Schauspielern sichtbar von Migranten und Migrantinnen geprägt und - erfolgreich damit, so berichtete Prof. Dr. Geoffrey Davis auf der Tagung. In der breiten Öffentlichkeit aber werden ihre Leistungen häufig nicht wahrgenommen. Daran müssen wir arbeiten.


Die Präsentation mit aktuellen Ergebnissen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik können Sie hier herunterladen:
Präsentation M. Cerci
Präsentation P. Severijnen
Präsentation J. Schäfer (aktualisierte Version)